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Triumph der Neuen Arbeit

Um das Jahr 1900, war es für die unterdrückte ArbeiterInnenschaft notwendig, gemeinsame Bedürfnisse und Forderungen zu formulieren. Das individuelle Schicksal war nicht die Schuld des/der Einzelnen – verantwortlich waren kollektive Missstände in Österreich und der Welt. Der 1. Mai war der Tag, an dem die Forderung nach dem Acht-Stundentag oder nach allgemeinem Wahlrecht, in Form von Kundgebungen und Festen der Öffentlichkeit nachhaltig präsentiert wurden.
Wenn auch mehr als 100 Jahre verstrichen sind und sich Arbeitsrealitäten verändert haben, sind die damaligen Anliegen auch jetzt noch aktuell.  Heutzutage ist jeder/jede Kreative durch individuelle Entscheidungen scheinbar unabhängig und für sein eigenes Wohl verantwortlich. Unabhängigkeit und rechtliche Eigenverantwortung werden als selbst gewählter Lebensstil angesehen. Formen von Selbstausbeutung und neuer Abhängigkeit werden dabei gerne übersehen. Dennoch sind die Mechanismen und Muster der kollektiven Ausbeutung gleich geblieben. Die AkteurInnen der kreativen Klasse bilden daher, mehr oder weniger unbewusst, Teile der neuen ArbeiterInnenschaft.
Übersehen wird hier, dass gerade zu Zeiten der Wirtschaftskrise eine genauso starke Notwendigkeit besteht, gemeinsam aufzutreten, sich zu vernetzen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern den widrigen Verhältnissen zu trotzen und sich öffentlich dazu zu bekennen. Im Sinne der Multitude ermöglicht kollektives Auftreten dem/der Einzelnen, gehört zu werden.

Deshalb wird sich die Kreative Klasse am 1. Mai 2009 bereits zum zweiten Mal versammeln und vernetzen, um gemeinsame Forderungen wie jener nach einem Grundeinkommen oder billigerem Wohnen in Wien mit Nachdruck der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit der Performance “Tableaux Vivants” (Lebende Bilder) wird das Bild “Triumph der Arbeit” von Walter Crane aus dem Jahr 1891 in den heutigen Kontext transferiert. Am Abend wird das Wiener Künstlerhaus bespielt. Mehr dazu

Neue Arbeit

versucht ein innovatives Element in der Gesellschaft zu identifizieren – das Richard Barbrook als „die Klasse der Neuen“ bezeichnet. Diese ModellarbeiterInnenschaft verkündet ein neues ökonomisches und gesellschaftliches Paradigma, das eine „Gesellschaftsverheißung“ der künftigen Arbeitsform darstellt. Ihre Lebensart und im Besonderen ihre Produktionsweise, sind im Begriff hegemonial zu werden. Egal wie klein diese Gruppe zahlenmäßig derzeit ist, wie sie heute lebt und arbeitet – sie nimmt dennoch zukünftige Lebens- und Arbeitsmodelle vorweg.

Kreative Klasse und Neue Arbeit

Die kreative Klasse wird traditionell zwischen neuer Selbständigkeit, Kleinstunternehmertum, Kunsthandwerk, Design, Musik und Mode eingereiht. So unterschiedlich die Tätigkeitsfelder, so unterschiedlich sind oberflächlich betrachtet auch die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen. Auch besteht in der Creative Class kein einheitliches Bewusstsein oder eine klare Analyse der Gemeinsamkeiten und gleich gelagerten ökonomischen wie soziokulturellen Probleme.

Creative Class ist ein Begriff, der aus der amerikanischen Stadtforschung (Richard Florida) kommt, beschreibt das kreative Umfeld in einer Stadt und erklärt warum dieses Potenzial existiert. Kurz: Nur eine Stadt mit einer blühenden Creative Class
wird sich auch in Zukunft weiterentwickeln.

Die Kreative Klasse in Wien

Studien zählen 100.000 Personen, die im Bereich der Creative Industries, in Wien beschäftigt sind. Mit ihrem familiären Umfeld kann man rund 10% der WienerInnen zur kreativen Klasse rechnen. Somit sind die Kreativen ein wichtiger Teil der Stadt und bilden mit ihrem ökonomischen Faktor ein wichtiges Standbein von Wien. Diese Gruppe hat keine übergeordnete, einheitliche Interessensvertretung, keine eindeutige politische Vertretung und kein gemeinschaftliches Auftreten.  Um Wien auch weiterhin als attraktiven Platz für Kreative zu etablieren, ist es unerlässlich auch die notwendigen, gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

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